VfB Stuttgart holte die deutsche Meisterschaft 1984 in einer denkwürdigen Schlussphase. Obwohl das Team das letzte Saisonspiel mit 0:1 gegen den Hamburger SV verlor, reichte die bessere Tordifferenz zum Titelgewinn.

Der entscheidende Samstag, der 26. Mai 1984, begann mit einem Paukenschlag. Der direkte Konkurrent HSV verlor zuhause überraschend mit 0:2 gegen Eintracht Frankfurt. Das wussten die Spieler von Trainer Helmut Benthaus, als sie in Bremen antraten. Ein Sieg dort hätte die Meisterschaft vorzeitig besiegelt. Hermann Ohlicher erzielte in der 89. Minute den 2:1-Siegtreffer, nachdem Torwart Burdenski einen Freistoß von Bernd Förster nur abklatschen konnte. Damit führte der VfB vor dem direkten Duell mit dem HSV bereits mit zwei Punkten und neun Toren besserem Unterschied.

Die Nervenprobe im Neckarstadion

Im ausverkauften Neckarstadion vor 70.000 Zuschauern reichte den Schwaben somit eine Niederlage mit bis zu vier Toren Differenz. Die Mannschaft um Kapitän Karlheinz Förster und den herausragenden Spielmacher Ásgeir Sigurvinsson verteidigte fast die gesamte Spielzeit überlegen. Erst spät traf Jürgen Milewski zum 0:1 für die Gäste. „Das war eine absolute Überraschung“, sagte Karlheinz Förster später über den Titelgewinn. Die letzten Minuten wurden herausgespielt, der 0:1-Endstand hielt.

Der Triumph beendete eine 32-jährige Durststrecke seit dem letzten Meistertitel 1952 unter Robert Schlienz. Es war der dritte Bundesliga-Meistertitel der Vereinsgeschichte. Die Mannschaft hatte die Saison stark begonnen und war nach fünf Spieltagen noch ungeschlagen. Sie sicherte sich auch die inoffizielle Herbstmeisterschaft vor Bayern München. Zwei Spieltage vor Schluss lagen Stuttgart und Hamburg punktgleich an der Spitze.

Feiern in der Stadt

Nach dem Abpfiff folgten Siegerrunden vor der heimischen Kulisse. Eine Autokorso-Parade zog durch die Stadt, auf dem voll besetzten Stuttgarter Rathausplatz fand ein großes Empfangsfest statt. Die Freude war riesig, besonders für eine Mannschaft, die nicht als absoluter Topfavorit gehandelt worden war. Karlheinz Förster brachte es auf den Punkt: „wussten wir, dass wir nicht jedes Jahr den Titel holen“. Der Erfolg war das Ergebnis einer geschlossenen Mannschaftsleistung über die gesamte Spielzeit.

Die aktuelle Mannschaft des VfB Stuttgart steht heute mit sechs Punkten auf dem 11. Platz der Bundesliga. Die nächste Aufgabe ist ein Auswärtsspiel beim Hamburger SV am Samstag. Das letzte Aufeinandertreffen der beiden Teams endete im April mit einem 4:0-Heimsieg des VfB. Die aktuelle Form des VfB ist mit nur einem Sieg aus den letzten fünf Ligaspielen angeschlagen. Karlheinz Förster sieht seinen Verein auch im kommenden Duell in der Pflicht. Er ist überzeugt, dass der HSV nicht mehr die frühere Klasse habe und der VfB der Favorit sei. Das Spiel beginnt um 15:30 Uhr und wird live im Sportschau.de-Audiostream übertragen.

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